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Über die Lofoten

Es existiert ein Ort auf der Erde, wo die Sonne im Sommer niemals untergeht, Polarlichter im Winter niemals langweilig werden, die Umwelt einer ständigen Veränderung unterliegt, der Wind nahezu nie aufhört zu wehen und die Menschen dauerhaft lächeln. Dieser Ort sind die Lofoten.

Dieser norwegische Archipel liegt 300 km hinter dem Polarkreis und wird oft „Norwegen in Pillenform“ genannt. Es besteht aus sieben Inseln, von denen fünf durch die Straße E 10 verbunden sind, die letzten beiden sind per Fähre oder Flugzeug erreichbar. Steile Berghänge, die direkt aus dem Meer bis auf fast 1200 m hinaufreichen, erinnern mit den zerklüfteten Gipfelketten eher an die Zeichnung eines infantilen Kindes als an eine reale Umwelt. Die Kulisse wird noch zusätzlich vom Meer untermalt, das sich im Laufe von Jahrtausenden tief in das Land seinen Weg bahnte, was zur Entstehung der bekannten norwegischen Fjorde führte. Die an ihnen zerstreuten Fischereidörfer und Städtchen stellen ein farbliches Mosaik dar, welches sich ununterbrochen durch die wechselnden Jahreszeiten ändert. Die ersten Siedler mußten hart arbeiten, um aus dem wenigen dem Meer entrissenen Stückchen Erde eine fruchtbare Unterlage für ihre Siedlungen zu schaffen. Doch das über Jahrhunderte errungenes Wissen und Können über die Besiedlung von unnahbaren Felshängen kann man heute in seiner ganzen Vielfalt auf den Lofoten bewundern. Mit der Zeit wandelten sich die Dörfer in kleine Städtchen und Straßen, Brücken und Fähren verbanden früher isolierte Siedlungen.

Dominierender Geruch auf den Lofoten während der Winter- Frühjahr- Saison ist der Duft von trocknenden Fischen. Seit über tausend Jahren hat im Zeitraum von Januar bis April an den Küsten der Lofoten der Fischfang von Dorsch seinen Platz. Dieser schmackhafte Fisch wandert alljährlich hierher um zu laichen, wobei er dabei 800 km aus der Barentssee zurücklegt. Er wird gefischt und anschließend auf hierfür spezial angefertigten hölzernen Ständern getrocknet. Lofoten das ist der einzige Ort auf der Welt, wo das entsprechende Klima ein traditionelles, natürliches Trocknen der Fische ermöglicht, was sie, unter Beibehaltung aller Nährstoffe, phantastisch konserviert. In dieser Zeit existiert auf den Inseln großer Verkehr. Alle Einwohner der Lofoten leben vom Fischfang, auf dem Meer sieht man ihre Kutter und in den Pubs hört man fast ausschließlich Fischergeschichten. Für Besucher der Lofoten in der Jahreszeit ist das die Gelegenheit das Treiben zu beobachten und das wahre Antlitz der Inseln kennenzulernen.

Die norwegische Küche wird, wie man sich leicht denken kann, durch Fisch charakterisiert, der sehr vielfältig zubereitet wird. Das arktische Menü setzt sich aus traditionellen als auch exotischen Gerichten zusammen, wo man den Einfluß aus aller Welt schmecken kann. Jeder, der die Gelegenheit eines längeren Aufenthalts hat, wird den echten Geschmack von getrocknetem Fisch, gebratenen Dorschzungen, Fischsteaks, Filets, Bacchanal und Fischsuppe zu schätzen wissen. Großen Anklang finden auch zubereitete Speisen aus Walfischfleisch oder Meeresfrüchten.

Die Touristen besuchen die Lofoten hauptsächlich im Sommer, aber gerade die Zeit außerhalb der Hauptsaison bietet ein größeres Pensum an wahren Erlebnissen und ermöglicht das Erkennen der Schönheit dieses idyllischen, wilden und exotischen Plätzchens auf Erden. Sogar die winterlichen Stürme und die fast ein Monat andauernde Dunkelheit sind nicht in der Lage, die wahren Abenteuerlustigen zu entmutigen. Bei Gelegenheit sollte man den Ruf des weiten, arktischen und kalten Nordens zerstören. Das Klima, welches auf dem Archipel herrscht, unterscheidet sich nicht viel von unserem polnischen Küstenklima. Die Sommer sind nicht heiß und manchmal ist eine kühlere Brise eine angenehme Erfrischung während der Bergwanderungen oder Ausflüge auf dem Meer. Im Winter hingegen fallen die Temperaturen selten unter 5 Grad Celsius. Dies alles verdanken wir dem warmen Golfstrom, der die komplette norwegische Küste bis nach Spitzbergen umspült.

Überraschendes Element der Umgebung können die Strände sein, die den Lofoten ein Mittelmeerfeeling bescheren. Die Wassertemperatur des Nordatlantiks erreicht zwar nicht mehr als 10-13 Grad Celsius, doch das türkise, glasklare Wasser lockt sehnsuchtsvolle Amateure zum baden im Meer. Die Ankommenden begleitet ununterbrochen das Geschrei der Möwen. Es treten jedoch auch in großer Vielzahl Kolonien von Kormoranen, Papageitaucher auf. Der König unter den Vögeln ist der Fischadler, der worauf schon der Name hindeutet hauptsächlich Fische jagt. Andere typische Vertreter der Fauna auf den Lofoten sind Schafe, die ihre Freiheit schätzen und das ganze Archipel durchstreifen. Während des ganzen Sommers und Herbstes liegen sie oft, ein Sonnenbad genießend, auf den Straßen, was nicht selten den Kraftfahrzeugbetrieb durcheinander bringt. Das rücksichtsvolle Behandeln der Schafe kann man gerne mit dem indischen Rinderkult vergleichen, die immer Vorrang auf den Straßen genießen. Nach der Sommerperiode wandern die Züchter mit ihren Familien in die Berge und treiben ihre Herden direkt in die Gatter zusammen. Die Schafe jeder Herde sind speziell gekennzeichnet, so daß Verwechslungen nicht sonderlich häufig vorkommen. Im September beginnt dann das große Scheren. Die Wolle sowie das Fleisch der Lofotenschafe zählen zu den besten in ganz Skandinavien, wovon man sich in lokalen Läden und Restaurants überzeugen kann.

Man sagt, daß wer einmal die Lofoten besucht hat den Haken geschluckt und wiederkehren wird. Es ist nicht einfach, sich von den spektakulären Erinnerungen an die Aussicht auf das Meer, Berge und Fjorde gleichzeitig zu befreien. Jeder empfindliche Tourist wird die Schönheit der von der Zivilisation unberührten Natur zu schätzen wissen.